Fotoakademie: Avedon
Eine fotografische Studie im Geiste von Richard Avedon
Das fotografische Projekt entstand im Rahmen eines Auftrags während meiner Ausbildung an der Fotoakademie Köln. Ausgangspunkt war Richard Avedons legendäre Serie In the American West – eine Arbeit, die sich tief in das kollektive Bildgedächtnis eingeschrieben hat. Avedon porträtierte die Verlierer des amerikanischen Traums: Arbeiter, Außenseiter, Menschen am Rand der Gesellschaft, frontal, schonungslos, vor neutralem Hintergrund.
Formale Vorgaben als inhaltliches Werkzeug
Das Projekt war klar gerahmt durch technische Lernziele. Im Zentrum standen Tonwertkontrolle und Modelanleitung.
Schwarz durfte nicht absaufen, Weiß nicht ausbrennen. Jeder Grauwert musste bewusst gesetzt sein, jede Fläche lesbar bleiben. Diese formale Strenge ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Konzentration: auf den Körper, die Haltung, den Blick und, vielleicht am wichtigsten, die Silhouette.
Auch die Arbeit mit den porträtierten Personen war Teil der Aufgabe. Es ging nicht darum, „schöne“ Bilder zu erzeugen, sondern darum, Menschen so anzuleiten, dass sie präsent sind – nicht performativ, sondern wahrnehmbar.
Mich interessierte eine Verschiebung dieses Blicks
Statt Menschen zu zeigen, die gesellschaftlich gescheitert sind oder zumindest so gelesen werden, habe ich Personen fotografiert, die einen Fetisch leben. Menschen, die sich – zumindest in diesem Aspekt ihres Lebens – nicht über Mangel, sondern über Intensität definieren.
Inhaltlich war mir wichtig, die Energie sichtbar zu machen, die mit Fetischen einhergeht.
Viele Menschen scheitern im Alltag an Routinen, Erwartungen oder äußeren Anforderungen. Doch um ihren Fetisch zu leben, versetzen sie Berge: Sie organisieren sich, überwinden Scham, überschreiten soziale Grenzen und investieren Zeit, Geld und emotionale Arbeit.
Diese Kraft interessiert mich.
Die Fotografien sollen keine Erklärung liefern und keine Bewertung vornehmen. Sie zeigen Menschen in ihren Fetisch-Outfits – nicht als Provokation, sondern als Zustand. Der neutrale Hintergrund und die klare Lichtführung nehmen dem Setting jede narrative Ablenkung. Übrig bleibt die Person in einer Form maximaler Selbstdefinition.
Nähe ohne Intimität
Wie bei Avedon entsteht eine paradoxe Situation: große Nähe ohne erzählerische Intimität.
Die Porträts geben nichts preis und sind gleichzeitig schonungslos offen. Kleidung – oder das, was hier Kleidung ersetzt – wird nicht als Kostüm verstanden, sondern als Ausdruck einer inneren Notwendigkeit.
Das Projekt bewegt sich bewusst im Spannungsfeld zwischen fotografischer Disziplin und persönlicher Grenzüberschreitung.